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Den Horizont weiten Bereits zum vierten Mal: Neunt- und Zehntklässler des GBG in Polen

Wieder war die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Krzyżowa/Kreisau Ziel einer Reise von 9 Schülerinnen und 2 Schülern mit ihrem Schulleiter Volker Habermaier.

In Krzyżowa/Kreisau, das bis 1945 zu Deutschland gehört hatte, hatte nicht nur der Widerstandskämpfer Helmuth James von Moltke (1907-1945) gelebt. Dort hatte im November 1989 auch die "Versöhnungsmesse" mit dem ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Nachkriegspolens, Tadeusz Mazowiecki, und Bundeskanzler Helmut Kohl stattgefunden. Wahrlich ein Ort europäischer Geschichte.

Volker Habermaier nahm mit seinen Schülerinnen und Schülern wieder an einer Seminarreihe teil, die er selbst als Präsidiumsmitglied der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission mitkonzipiert hatte: Kleine Gruppen von Jugendlichen aus drei deutschen und drei polnischen Schulen beschäftigen sich mit der vielfach geteilten Geschichte ihrer Länder und ziehen Folgerungen für die Gegenwart. Vor dem Hintergrund der Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime, des Kreisauer Kreises, setzten sie sich mit Formen des Widerstands im Nationalsozialismus auseinander. Geschichte, die ihnen häufig nur im Schulbuch begegnete, wurde so vor Ort lebendig. 

 In diesem Jahr - 80 Jahre nach Kriegsende und angesichts verheerender Kriege nicht nur in der Ukraine und dem Nahen Osten - war Friedenspädagogik ein besonderer Schwerpunkt. In Workshops zu gesellschaftlicher Vielfalt reflektierten sie Stereotype und Diskriminierung, wodurch sie einige der in Polen und Deutschland auftretenden Denkweisen und Perspektiven besprechen konnten. Antisemitischen Haltungen und pseudowissenschaftlichen Theorien über Menschenrassen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war ein Vortrag gewidmet. Ohne dass vordergründig aktualisiert werden musste, begriffen die Schüler, wie Antisemitismus heute wirkt. Die wertvollen Erfahrungen aus Kreisau werden somit noch lange Zeit im Schulleben nachhallen. Auch Spiel und Spaß kamen nicht zu kurz: Ein Halbtag war beispielsweise akrobatischen Übungen gewidmet oder einem Spaziergang bei schönstem Sonnenschein zu den Gräbern der Familie Moltke und der Dorfbevölkerung: Gesellschaftliche Hierarchien wurden sinnfällig, da das Mausoleum für den Generalfeldmarschall Moltke auf einem Berg steht, die Gräber seiner Familie eine Ebene tiefer, und die Gräber der Dorfbevölkerung am Fuß des Hügels. Abends war das Volleyball-Spiel in der Sporthalle angesagt. Deutsche und polnische Jugendliche fanden ungeachtet aller sprachlichen Probleme rasch zueinander.

Da die Finanzierung solcher Projekte immer schwieriger wird, verzichteten die Rheinfelder in diesem Jahr bewusst auf einen bequemen, aber teuren Flug. Die jeweils 20stündige Fahrt mit einem Linienbus über Prag brachte die Gruppe beinahe an ihre Leistungsgrenze. Dennoch stellten sie fest, dass sie "verschiedene Perspektiven und unterschiedliche Erfahrungen" kennengelernt hätten. Ein Schüler sagte, er habe "viel darüber gelernt, wie wichtig es ist, dass Deutschland und Polen ein gutes Verhältnis" zueinander hätten. Was will man mehr!

Den Geldgebern, in diesem Jahr dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, sowie der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung und ihrem umsichtigen Seminarleiter Dr. Tomasz Skonieczny gilt der Dank aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist fest geplant ...

Ein Bericht von Volker Habermaier

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